Nachhaltige Werte

Monday, August 9, 2021 at 7:46 PM UTC

Wenn man heutzutage von Nachhaltigkeit oder Wertigkeit spricht, dann meint man Dinge und Produkte, die mehr als 2-5 Jahre ihren Dienst verrichten. Wer aus meiner Generation stammt, der kann darüber nur lachen - und sollte doch weinen. Denn: was früher quasi für die "Ewigkeit" gebaut wurde und dann auch an spätere Generationen weiter vererbt wurde, der schaut heute in die Röhre - oder hat verdammtes Glück. Kaum ein Produkt aus heutiger Produktion schafft es, mehr als 10 Jahre seinen Dienst zu tun. Sicherlich muss man unterscheiden: überall da, wo "Strom drin" ist, sind die Teile empfindlicher - und auch kleiner, was sie wiederum anfälliger macht.

Rein mechanische Produkte wie Werkzeuge können wirklich zumindest EIN Leben lang halten - und auch länger.

Für das Kleinod, dem ich hier huldigen möchte, gilt das hoffentlich auch. Ich habe keine Kinder und damit hoffe ich, dass ich es bis an mein eigenes Ende benutzen werde. Ich bin guter Dinge! Mein Plattenspieler ist ein weiteres Produkt, das ich hier auch schon mal vorgestellt habe.

Es geht wieder einmal mehr um ein Produkt aus der Schweiz. Ein Qualitätsprodukt, dessen Markenname schon damals ein Garant für Qualität war. Deshalb war es sicher auch für meine Eltern damals eher verwunderlich, dass ich als Kind (nicht Teenager!) vergleichsweise soviel Geld dafür ausgegeben hatte. Die Rede ist vom berühmten "Schweizer Offiziersmesser", einem Taschenmesser oder auch Multi-Tool - lange, bevor der Leatherman "fancy" war.

Warum komme ich darauf? Ich habe vorhin ein Video gesehen, wo es eingesetzt wurde, um eine Packung von irgendeinem nicht so langlebigem Produkt zu öffnen und mir wurde bewusst, wie regelmäßig und oft ich doch mein Taschenmesser benutze - nämlich jeden Tag.

Das Modell gibt es nicht mehr, heute gibt es das Ding mit was weiß ich für tollem Zeug drin. Geblieben sind sicherlich Zahnstocher und Pinzette als Gimmicks und natürlich alle anderen "normalen" Werkzeuge wie Messer, Ahle und Säge.

Doch zu meinem "Schätzchen":

Ich weiß das genaue Jahr nicht mehr, es muss Anfang der 80er gewesen sein. Ich weiß aber noch genau den Ort, wo ich es von meinem Taschengeld gekauft habe. Als sparsamer Schüler in diesen Tagen habe ich mir die Entscheidung dafür nicht leicht gemacht, aber an jenem Tag im Sommer, wo ich mit meinen Eltern zum wiederholten Male in Österreich im schönen Salzburger Land verbrachte, führte uns erneut eine Tour ins bayerische Freilassing, direkt an der Grenze zu Österreich und Salzburg.

Irgendwo dort in einem Eisenwaren-/Haushaltsgeschäft stand wieder so ein "Display" (Ständer mit Waren), wahrscheinlich sogar draußen auf dem Gehweg mit Victorinox Produkten - eben jenen legendären Schweizer Messern. Ich musste zuschlagen!

Den Preis habe ich vergessen, aber es war unanständig viel Geld für dieses Teil mit sooo vielen Funktionen - und auch für die damalige Zeit und speziell mich als vielleicht Beinahe-Teenager.

Die folgenden Wochen darauf wurde es exzessiv benutzt: zum Schnitzen von Ästen, zuvor natürlich mit der martialischen Säge beschafft (die ist heute noch gefährlich scharf!). 1989 habe ich mit der Lupe auf Korsika diverse Lagerfeuer entfacht (wo ich auch leider die Pinzette verloren habe) und ja, den Flaschenöffner nutze ich heute noch. Die Feder der Schere hat sich irgendwann verabschiedet, davon abgesehen schneidet sie heute noch. Nichts wurde zwischendurch mal geschärft. Pakete mache ich mit dem Messer immer noch auf - kein Problem für den Schweizer Stahl.

Dieses Messer hat also Geschichte, ist nun beinahe 40 Jahre alt - und hat entsprechend Spuren. Und genau das Schätze ich daran. Nichts wackelt, ein wenig ist stumpf (wie sein Besitzer hier und da) aber es funktioniert. Ich wünschte mir das von Werkzeugen und Geräten, die man heute erwirbt. Aber das wäre wohl nicht "dem Markt entsprechend".






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